Fachinformationen zu Hüftrolle und Hockhose nach Dr. Fettweis

Behandlungsgrundlagen:
Hüftrolle und Hockhose sind orthopädische Heilmittel zur Behandlung der Hüftdysplasie und treten an die Stelle der ursprünglichen Spreizhose. Die Entwicklung der Spreizhose beruht auf einem schwerwiegenden Missverständnis über den Sinn der Spreizung. Letztere - Lorenz -­Stellung - war anfänglich lediglich als Retentionsstellung nach erfolgter Einrenkung von kompletten Luxationen gedacht, um eine Reluxation zu verhindern. Sie ist aber nicht, wie man früher annahm, auch eine für die Entwicklung des Hüftgelenkes günstige Position. Sie ist vielmehr verantwortlich für zahlreiche Komplikationen im Behandlungsverlauf: Hüftkopfnekrosen, Veränderung der Schenkelhalsachsen im Sinne verstärkter Valgität und Antetorsion sowie Spätverschlechterungen durch Drehpunktverlagerung der Hüftgelenke. Die gleichen Komplikationen, wie sie von der Behandlung vollständiger Luxationen mit Gipsverband in Lorenzstellung bekannt sind, können, wenn auch in geringerem Umfang, selbst an ursprünglich gesunden Hüftgelenken, ebenfalls bei Anwendung der Spreizhose auftreten. Wenn die Retention nach erfolgter Reposition nicht das eigentliche Problem darstellt, also bei allen Formen der Pfannendysplasie und im weiteren Verlauf der Luxationsbehandlung, kommt es darauf an, die Voraussetzungen zur aktiven muskulären Zentrierung der Hüftgelenke zu schaffen, die biomechanischen Bedingungen für die Nachreifung zu fördern und die zur Luxation führenden Kräfte zu hemmen. Luxationsfördernd ist alles, was die Beine streckt und adduziert. All diese Bedingungen erfüllt in idealer Weise für die Neugeborenen in den ersten vier bis acht Wochen die Hüftrolle, darüber hinaus die Hockhose. Entscheidend ist die Glutaealmuskulatur. Wenn es dieser verwehrt ist, bei ihrer Kontraktion die Hüftgelenke wesentlich über 90 Grad Hüftbeugung zu strecken, drücken sie flächenhaft die Hüftköpfe tief in die Pfanne Es entsteht hydrostatischer Druck im Gelenk, der nach Pauwels die Knochenbildung fördert. Bei freigegebener Streckung kehrt sich die Wirkung der Glutaeen um Sie können extendieren und damit luxationsfördernd sein. Entscheidend für die erfolgreiche Anwendung von Hüftrolle und Hockhose ist daher die genügend lange, ununterbrochene Einnahme der gewählten Position, um das jugendliche sich differenzierende Gewebe nicht immer wieder zu schädigen.. Die Streckung soll dann schrittweise freigegeben werden, entsprechend dem durch bildgebende Verfahren kontrolliertem Reifezustand der Pfannen.

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